Diskussionsveranstaltung "Religion und Kapitalismus" am Montag dem 9.Mai um 19Uhr30 im NIG, Hörsaal 3
Habemus papam! - Von der Pflege des Glaubens in der sog. "Wissensgesellschaft"
Da stirbt der Oberpriester einer Religionsgemeinschaft, die glaubt, ein vor 2000 Jahren hingerichteter Prediger sei ein Gott gewesen, der jetzt im Himmel sitzt und seine Anhänger bis auf den heutigen Tag begleitet und bewacht und später dann zu sich holt. Nach dem Ableben ihres alten Chefs wählen die Häuptlinge der Priesterschaft einen neuen. Ihre Stimmzettel und Abmachungen erklären sie für das Werk ihres Gottes und verbrennen erstere vorsichtshalber. Das alles ist kein Wunder.
Eher verwunderlich ist der Rummel, den der Rest der Welt darum macht: Wochenlang sind alle Fernsehkanäle mit der Inszenierung eines öffentlichen Sterbens verstopft, alle sonstigen Hauptmeldungen fallen unter "ferner liefen". Die Staatschefs rund um den Globus loben "Lebensleistung" und "Charisma" des toten Kirchenobersten in den höchsten Tönen und finden die Zeit, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Dazu findet sich auch genug katholisches und nichtkatholisches Volk ein, das sich religiöser Verzückung hingibt, oder jedenfalls weiß, was es den überall in Rom präsenten Fernsehkameras schuldig ist: Moderne, selbstbewusste Bürger weinen, zeigen alle Zeichen von Verzweiflung angesichts der Todesmeldung, schreien und klagen bei der Totenmesse, und applaudieren - wie bei einer gelungenen Inszenierung - dem Holzsarg, sobald er an ihnen vorübergetragen wird. Eine gute Woche später wird den Gläubigen auf dem Petersplatz der neue Vorsitzende präsentiert, und wieder gerät die ganze Mannschaft außer Rand und Band: Sie lachen, weinen, tanzen, fallen sich um den Hals, schwenken Nationalflaggen ...
Nach all dem sollte sich in Acht nehmen, wer behaupten will, dass ein angeblich modernes Abendland den zurückgebliebenen Moslems die "Aufklärung" voraus hätte. Auch hier ist die Welt religiöser Einbildungen, der dazugehörige Zauber und das Außer-Sich-Sein weder ausgestorben noch bloße Privatsache, die man den alten Weiblein und Unverbesserlichen überlässt. Die Spitzen der demokratischen Staatsgewalten selbst dokumentieren dieser Tage ihr großes Interesse an den Leistungen der Gottesmänner. Von der berühmten Trennung zwischen Staat und Religion, die "wir" angeblich haben und die Moslems nicht, ist jedenfalls wenig zu merken. Auch von Seiten der Religion nicht: Gilt es nicht gerade als großer und zu beseitigender Frevel des Islam, wenn dort Gläubige ihre Religion zum politischen Leitfaden der weltlichen Macht machen und gegebenenfalls in deren Namen eine ungläubige Herrschaft stürzen wollen?! Beim verstorbenen polnischen Papst wird genau das zu seinen größten Leistungen gezählt: Man hält ihm zugute, beim Sturz der kommunistischen Staaten Osteuropas kräftig mitgeholfen zu haben. Klar: "Unser" Fundamentalismus ist gut, gefährlich ist der andere!
Der Vortrag soll klären, wie religiöses Denken heute funktioniert, welche Rolle der Glaube für das Gelingen unserer menschenfreundlichen Gesellschaft spielt - und warum die politische Gewalt, die Wirtschaftswachstum und Armut organisiert, samt dazugehöriger Öffentlichkeit auf die Pflege religiöser Sinnstiftung mitten in unserer angeblichen "Wissensgesellschaft" so großen Wert legt.
Quelle: http://www.gegenargumente.at/veranstaltung/veranstaltung_09_05_05.htm
Da stirbt der Oberpriester einer Religionsgemeinschaft, die glaubt, ein vor 2000 Jahren hingerichteter Prediger sei ein Gott gewesen, der jetzt im Himmel sitzt und seine Anhänger bis auf den heutigen Tag begleitet und bewacht und später dann zu sich holt. Nach dem Ableben ihres alten Chefs wählen die Häuptlinge der Priesterschaft einen neuen. Ihre Stimmzettel und Abmachungen erklären sie für das Werk ihres Gottes und verbrennen erstere vorsichtshalber. Das alles ist kein Wunder.
Eher verwunderlich ist der Rummel, den der Rest der Welt darum macht: Wochenlang sind alle Fernsehkanäle mit der Inszenierung eines öffentlichen Sterbens verstopft, alle sonstigen Hauptmeldungen fallen unter "ferner liefen". Die Staatschefs rund um den Globus loben "Lebensleistung" und "Charisma" des toten Kirchenobersten in den höchsten Tönen und finden die Zeit, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Dazu findet sich auch genug katholisches und nichtkatholisches Volk ein, das sich religiöser Verzückung hingibt, oder jedenfalls weiß, was es den überall in Rom präsenten Fernsehkameras schuldig ist: Moderne, selbstbewusste Bürger weinen, zeigen alle Zeichen von Verzweiflung angesichts der Todesmeldung, schreien und klagen bei der Totenmesse, und applaudieren - wie bei einer gelungenen Inszenierung - dem Holzsarg, sobald er an ihnen vorübergetragen wird. Eine gute Woche später wird den Gläubigen auf dem Petersplatz der neue Vorsitzende präsentiert, und wieder gerät die ganze Mannschaft außer Rand und Band: Sie lachen, weinen, tanzen, fallen sich um den Hals, schwenken Nationalflaggen ...
Nach all dem sollte sich in Acht nehmen, wer behaupten will, dass ein angeblich modernes Abendland den zurückgebliebenen Moslems die "Aufklärung" voraus hätte. Auch hier ist die Welt religiöser Einbildungen, der dazugehörige Zauber und das Außer-Sich-Sein weder ausgestorben noch bloße Privatsache, die man den alten Weiblein und Unverbesserlichen überlässt. Die Spitzen der demokratischen Staatsgewalten selbst dokumentieren dieser Tage ihr großes Interesse an den Leistungen der Gottesmänner. Von der berühmten Trennung zwischen Staat und Religion, die "wir" angeblich haben und die Moslems nicht, ist jedenfalls wenig zu merken. Auch von Seiten der Religion nicht: Gilt es nicht gerade als großer und zu beseitigender Frevel des Islam, wenn dort Gläubige ihre Religion zum politischen Leitfaden der weltlichen Macht machen und gegebenenfalls in deren Namen eine ungläubige Herrschaft stürzen wollen?! Beim verstorbenen polnischen Papst wird genau das zu seinen größten Leistungen gezählt: Man hält ihm zugute, beim Sturz der kommunistischen Staaten Osteuropas kräftig mitgeholfen zu haben. Klar: "Unser" Fundamentalismus ist gut, gefährlich ist der andere!
Der Vortrag soll klären, wie religiöses Denken heute funktioniert, welche Rolle der Glaube für das Gelingen unserer menschenfreundlichen Gesellschaft spielt - und warum die politische Gewalt, die Wirtschaftswachstum und Armut organisiert, samt dazugehöriger Öffentlichkeit auf die Pflege religiöser Sinnstiftung mitten in unserer angeblichen "Wissensgesellschaft" so großen Wert legt.
Quelle: http://www.gegenargumente.at/veranstaltung/veranstaltung_09_05_05.htm
powi - 5. Mai, 10:18
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